Friedrich Dessauer
+ 16.2.1963 in Frankfurt/Main
Friedrich Dessauer
wurde im Juli 1881 in Aschaffenburg als neuntes Kind des Kommerzienrates und
Industriellen Philipp Dessauer und dessen Ehefrau Elise geboren.
Er war
ein Pionier der Röntgentechnik und Strahlentherapie.
Die Beschreibungen
der ersten Apparate zur Erzeugung der neuen Strahlung regten schon den jungen Friedrich Dessauer
zu eigenen Experimenten an. Ab 1899 studierte er Elektrotechnik und
Physik an der Universität München und der Technischen Hochschule in Darmstadt,
musste aber das Studium schon nach zwei Jahren abbrechen, da sein Vater
plötzlich starb. Er kehrte 20-jährig wieder nach Aschaffenburg zurück und
gründete hier die Elektrotechnischen Werke Aschaffenburg ELA, aus denen 1907 in
Frankfurt die VEIFA, die Vereinigten Elektro-Institute Frankfurt-Aschaffenburg
wurden. Die VEIFA stellte mit großem Erfolg Röntgenapparate und
elektromedizinische Geräte her, die international Absatz fanden.
Friedrich
Dessauer widmete einen wesentlichen Teil seines Lebens der Erforschung dieser
neuen Strahlung. Er suchte neue Möglichkeiten, Röntgenstrahlen mit immer höherer
Energie und immer höherer Leistung herzustellen. Er wollte eine Anwendung dieser
Strahlen in der Tumortherapie ermöglichen. Dessauer leistete auf diesem
Gebiet eine sehr erfolgreiche Pionierarbeit, die auch international anerkannt
wird.
Dessauers Arbeit als Röntgenpionier wurde maßgeblich unterstützt
durch die Zusammenarbeit mit dem Aschaffenburger Arzt Dr. Bernhard Wiesner, dem
Hausarzt der Familie Dessauer und bald auch sein Schwager, denn dieser heiratete
im Jahr 1900 Friedrichs Schwester Elisabeth.
Schon kurz nach der
Jahrhundertwende begannen Dessauer und Wiesner mit den "Aschaffenburger
Röntgenkursen", die sie regelmäßig bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs
veranstalteten. Aschaffenburg wurde damit zu einem der ersten Zentren der
Strahlenheilkunde weltweit.
Friedrich Dessauer kehrte 1914 zurück an die
Universität und setzte bis 1917 sein Studium der Physik in Frankfurt
fort. 1920 wurde er als Honorarprofessor für das Fach
"Physikalische Grundlagen der Medizin" an die Universität Frankfurt
berufen.
Er bekleidete zahlreiche Ämter und Posten, u.a. trat er in die
Zentrumspartei ein, war Mitglied der Frankfurter
Stadtverordnetenversammlung, Ordinarius in der Naturwissenschaftlichen
Fakultät in Frankfurt/Main. Friedrich Dessauers politisches Engagement
führte dazu, dass die National-sozialisten ihn 1933 verhafteten und 1934 seiner
Ämter enthoben.
Im gleichen Jahr folgte er mit seiner Familie einem Ruf
an die Universität Istanbul, wo er drei Jahre blieb. Danach lebte er vier Jahre
in der Schweiz und ab 1946 bis zu seinem Tode im Jahre 1963 wieder in
Frankfurt.
Die Jahrzehnte der Arbeit an und mit Röntgenanlagen blieben
für Dessauer nicht ohne gesundheitliche Schäden. Schon 1914 führten die
erhaltenen Strahlenbelastungen zu bösartigen Hautveränderungen. Dessauer musste
zahlreiche Hautoperationen über sich ergehen lassen. Von diesen Hautoperationen
als Folge der Strahlenschäden gezeichnet starb er 81-jährig am 16. Februar
1963.
Er ist Ehrenbürger der Stadt Aschaffenburg und seit 1965
Namensgeber für die ehemalige Oberrealschule, das heutige
Friedrich-Dessauer-Gymnasium.